Filterung der Personenliste in eine Organisationsliste nicht anhand des Werts für Vornamen

SirPounce hinzugefügt 16 Monaten her
abgelehnt

Liebes Citavi-Team,

ich habe festgestellt, dass mehr als 50% meiner Titel Gerichtsentscheidungen sind (3892 von 7201). Nun wollte ich endlich einen Schritt gehen, welchen ich vielleicht beim Beginn meiner Datenerfassung hätte gehen sollen: es nervt, die Jurisdiktion für jede Entscheidung wieder anzugeben, wenn man sowie schon das Gericht angibt, und die Jurisdiktion Eigenschaft des Gerichts ist, nicht der individuellen Entscheidung. Wenn man sich mal die einschlägigen Zitierstile wie Bluebook, McGill Guide, etc. durchguckt, stellt man etwa fest, dass etwa eine Entscheidung des SCOTUS immer als Jurisdiktion USA hat, egal, wo der Rechtsstreit begann, eine Entscheidung des australischen High Courts immer Commonwealth (of Australia Cth.), etc. Die Jurisdiktion einer Entscheidung ist stets schon durch Auswahl des Gerichts im Gerichtsfeld determiniert.

Einschub: Keine Regel ohne Ausnahme. Beim House of Lords, und wahrscheinlich auch beim UKSC, würde ich als Jurisdiktion nie “UK” sondern “Scot.”, “Engl. and W.”, “Ire.” oder “NI.” angeben, das liegt nicht an meinen schottisch-nationalistischen Tendenzen, das wird einfach nicht gemacht, was wahrscheinlich eine Menge über ungelöste verfassungsrechtliche Fragen des Vereinigten Königreichs aussagt, und, denn die spinnen ja bekantermaßen, die Briten, beim P.C. das gleiche. Das würde ich aber notfalls umgehen, indem ich da halt das Haus of Lords viermal, das Privy Council geschätzte dreißigmal getrennt erfasse. Ist immer noch weniger Arbeit als für jede Gerichtsentscheidung immer wieder die Jurisdiktion anzugeben.

Also dachte ich mir, ist zwar getrickst, aber gebe ich doch einfach die Jurisdiktion als Nachname ein, den eigentlichen Namen des Gerichts als Vornamen. Charme der Lösung: beim Tippen wären die Gerichte eigentlich schnell zu finden. Für eine Entscheidung des englischen Appellationsgerichts würde ich etwa nur "Eng" tippen, schon würde die Liste zu allen Organisationen mit dem Nachnamen "Engl. and W." (man sieht ein weiteres Problem: eigentlich müsste ich für Jurisdiktionen vollen Namen und Abkürzung erfassen) springen, und ich könnte dann da schnell per Pfeiltaste das richtige Gericht wählen.

Allein: das Erfassen per Vor- und Nachname führt dazu, dass Citavi das Gericht nicht mehr als Institution erkennt, selbst wenn ich das Geschlecht auf Neutrum stelle. Das äußert sich für meine Zwecke primär in den Auswahlmöglichkeiten und dem Autocomplete des Feldes "Gericht" bei Erfassung eines Titels der Art "Gerichtsentscheidung".

Ich will gar nicht in Abrede stellen, dass auch bei natürlichen Personen es sinnvoll sein kann, aus den naturgemäß begrenzten Optionen Neutrum zu wählen, aber empirisch erscheint mir das Neutrum am häufigsten bei nicht-natürlichen Personen vorzukommen.

Citavi nimmt aber offenbar alleine das Vorhandensein eines Vornamens als Unterscheidungskriterium um die Personenliste bei Titeln des Typs Gerichtsentscheidung zu filtern. Besser wäre es, das anders zu entscheiden. Langfristig am sinnvollsten wäre es wohl, die Liste "Personen" und die "Organisationen" zu trennen, aber nun ja, das wird nicht so einfach sein. Bis dahin könnte man vielleicht doch auf das grammatische Geschlecht abstellen.

Mir erscheint es nicht ganz abwegig zu sein, dass es ggf. in einer Datenbank von veröffentlichten Werken mehr natürliche Personen mit nur einem Namen, von Aristoteles über Björk zu Zarathustra, gibt, als natürliche Personen, deren Geschlecht auf Neutrum zu stellen ist. Komplexitätsreduzierende Lösungen sind so oder so imperfekt, aber praktischer wäre m.E. eine Filterung aufgrund grammatischen Geschlechts als aufgrund des Wertes des Feldes "Vornamen".

Es ist jedenfalls merkwürdig, dass ich nun Aristoteles als rechtsprechende Instanz wählen kann, aber kein Gericht, indem ich sinnvoll Name, Jurisdiktion, Abkürzung und sogar von wann bis wann es rechtsprechend tätig war getrennt erfasst habe.

Beste Grüße

Jan Jakob

PS: Ich weiß, daß ich das umgehen kann, indem ich den Namen einfach komplett von Hand reinschreibe, ggf. per Copy-und-Paste aus der Personenliste (denn von Hand immer wieder ohne Autocomplete "Alta., Trial Division, Supreme Court [1907-1979]" zu tippen ist schon schwierig) aber das ist keine sonderlich komfortable Lösung.

Kommentare (4)

Foto
1

Je genauer ich mir das angucke, desto näher rückt das Verhalten an "Bug" (ich würde deshalb von Bug ausgehen, weil ich mir wieder nicht vorstellen kann, dass das Absicht war, aber das kann wie üblich daran liegen, dass ich falsch verstehe, was eigentlich passieren soll). Wenn ich das Geschlecht auf Unknown setze, wird in der Personenliste der Eintrag als Organisation gekennzeichnet (das vermute ich ist die Aussage des Schachfigurenturmsymbols über der Visitenkarte). Da kann man sich drüber streiten, aber nun ja (im Prinzip sinnvoll, und adressiert mein Neutrumproblem, setzt aber voraus, dass man die Liste sauber pflegt). In der Auswahlliste im Titeleintrag kommen aber nur Einträge vor, welche keinen Vornamen und kein Suffix haben, selbst wenn sie in der Personenliste das Schachfigurensymbol anstelle eines Personenicons haben


Das sieht auf dem Screenshot etwas verwirrend aus, aber die ganzen Einträge in der Liste, bei denen das Wort "England" ausgeschrieben ist, sind Einträge in der Personenliste, bei denen ich einfach alles in den Nachnamen eingetragen habe, und der Eintrag "Engl. and W. (Ass.)" ist einer, welchen ich zuerst umgestellt habe, dann aber testweise Vorname und Suffix wieder gelöscht habe. Die Hauptsache am zweiten Screenshot ist jedenfalls, dass die Liste keinen der Einträge hat, welche in der Personenliste mit dem Schachfigurensymbol als Organisationen gekennzeichnet sin.d

Foto
1

Lieber JJ

Mein Kollege Jörg hat mir souffliert (ich hätte Loriot statt Björk gewählt):

(1) Es ist "by design", dass Entitäten in der Liste der Personen/Organisationen als Organisation behandelt werden, wenn sie KEINEN Vornamen haben und umgekehrt als Person, wenn sie einen haben. Es gibt eine boolesche Eigenschaft .IsOrganization die per Makro abfragbar ist. Diese Eigenschaft basiert auf folgender Logik

return
!string.IsNullOrEmpty(lastName) &&
string.IsNullOrEmpty(firstName) &&
string.IsNullOrEmpty(middleName) &&
string.IsNullOrEmpty(suffix) &&
string.IsNullOrEmpty(prefix);
(2) Es ist zwar DAS Ministerium für Staatssicherheit, aber doch auch DIE Bundesärztekammer und DER Bund der Vertriebenen. Wer also derselbe / dieselbe auch auf Organisationen anwenden möchte, muss das grammatikalische "Geschlecht" der Organisation einstellen. Dadurch wird die Organisation in Citavi also nicht zur natürlichen Person. Das Geschlecht auf "unknown" zu setzen führt bei Prüfung auf .IsOrganization also zu keinem anderen Ergebnis, wie die obige Logik zeigt. Nur das Icon Symbol wird grau. Der Bug liegt im Hilfetext, der anderes behauptet und zu korrigieren ist.

(3) Führt man "Björk" mit nichts anderem als dem Nachnamen, so wäre sie für Citavi in der Tat eine Organisation. Für ihre Fans ist sie ohnehin eine Institution. Gibt man in Citavi noch das Suffix "Popsängerin" ein, ist sie wieder eine natürliche Person (auch wenn "Popsängerin" die Fans beleidigen mag). Was jetzt den Umgang mit Jurisdiktionen angeht: Das lässt sich doch bestimmt irgendwie anders lösen. Die Formatierung (also die Ausgabe in Publikationen) von Personen/Organisationen kann man mit Citavi 6.1 jetzt sehr gut per Script steuern, und zwar auch für einzelne Personen/Organisationen in ganzen Kollektiven (ok, zwei oder mehr Gerichte fällen selten eine gemeinsames Urteil). Dazu müsste ich aber besser verstehen, welche Anforderungen es für die Ausgabe gibt. Unabhängig von der .IsOrganisation Logik können die Felder "Abkürzung", "Sortiername" und "Notiz" verwendet werden. Aus "Notiz" könnte man mit entsprechenden Scripten einiges herausholen - was man natürlich vorher hineingetan haben muss. Z.B. ganze JSON Objekte: https://www.w3schools.com/js/js_json_objects.asp

Das macht zwar einmal Arbeit auf der Eingabeseite, ist aber "zukunftssicher", weil es sich so automatisiert wieder auslesen und verarbeiten lässt.

Freundliche Grüsse

Peter

Foto
1

Ich hatte übrigens auch an Loriot gedacht, brauchte aber was, was mit B anfängt. Ich hab auch ehrlich gesagt nichts von Zarathustra in meiner Datenbank.

Foto
Foto
1

Hallo Peter,

Vielen Dank für die Erläuterung.

Abkürzung wird tatsächlich für die Abkürzung benötigt des Gerichtes (statt der Abkürzung der Jurisdiktion). Ich kann übrigens nicht beide Abkürzungen, die für Gericht und die für Jurisdiktion in das Feld Abkürzung eintragen, weil die Ausgabe des einen oder des Anderen von verschieden Gesichtspunkten abhängt.

Ein ganzes JSON-Objekt in die Notiz zu schreiben, geht natürlich auch, ist aber weder von den Citavi-Suchfunktionen, noch von der Benutzerführung sonderlich komfortabel. Im Moment steht auch im Notizfeld unter Umständen schon "court" (wenn es das höchste Gericht dieser Jurisdiktion ist, das ist eine Information, welche für das Bluebook benötigt wird) oder "jurisdiction" (wenn die Abkürzung des Gerichtes die Angabe der Jurisdiktion erlässlich macht). Das könnte ich natürlich in das JSON-Datenmodell, was ich dann da entwickle, überführen, aber nun ja… irgendwann lässt auch mein Enthusiasmus nach, und eigentlich wollte ich doch irgendwann mal meinen Zitationsstil so idiotensicher machen, dass ich ihn als richtige Implementation eines Zitationsstil für den englischsprachigen juristischen Bereich auch der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen kann (das, was Citavi da hat ist nicht ganz vollständig, vorsichtig gesagt, aber es ist ja auch komplex).

Nachname, Vorname, und Suffix hatten den Charme, dass die Informationen, welche ich eigentlich auf einen Blick benötige, auch im Titeleintrag zu sehen waren. Ich werde es jetzt wohl so lösen, dass ich als Nachname bspw. "Engl. and W., Court of Appeal, [1875-1965]" eintrage, in das Feld Sortiername "Engl. and W." und Vorname und Suffix leer lasse. Das ist etwas unelegant, weil ich als Name eigentlich nur "Court of Appeal" ansehe, aber es ist auch nicht sonderlich zielführend, wenn ich 50 Einträge "Court of Appeal" in der Liste habe.

Das ganze ist so oder so ein Flickwerk, für mich das wichtigste ist aber, dass ich eines Tages, wenn Citavi für Gerichtsentscheidungen das richtige Datenmodell bereitstellt, ich mein Flickwerk einfach normalisieren kann, ohne dass es mich in der täglichen Arbeit zu sehr verlangsamt.

Beste Grüße

Jan Jakob

Foto
1

Lieber Jan Jakob

Für uns ist es einfacher - so paradox es sich anhört -, wenn wir Anforderungen erhalten anstatt Lösungvorschläge. Unser Ziel ist es, jeweils "Cluster" von Wünschen zu bilden, die zu einer grundlegenden Überarbeitung führen. So machen wir das aktuell mit den Wünschen für das Handling von PDF-Dateien. Ein anderer Cluster betrifft den Umgang mit Zeitschriften und deren Namen und Abkürzungen.

Ich weiss, dass dieses Vorgehen die Umsetzung der Verbesserungen noch mehr in die Zukunft verschiebt, aber das ist allemal besser als an vielen Stellen Detailverbesserungen durchzuführen, die dann einer späteren Gesamtrevision wieder im Weg stehen. (Mit Jörg diskutierte ich anlässlich Ihres Tickets, ob die Ergänzung eines weiteren Feldes in der Personen/Institutionen-Maske hilfreich wäre.)

Dass Sie sich augenblicklich ausgebremst fühlen, kann ich nachvollziehen (kein blah-blah). Mir geht das in anderen Fällen ähnlich: ich habe ein paar Dauerbrenner bei zwei anderen für unsere Support-Arbeit wichtigen Tools, bei denen es mir schlicht nicht schnell genug geht.

Ich muss dieses Posting ohne Trost und Workaround-Angebot beenden. Das mache ich nie gern.

Freundliche Grüsse

Peter