Copy-and-Paste sollte standardmäßig Formatierung beibehalten

Jan J. hinzugefügt 2 Monaten her
in Prüfung

Liebes Citavi-Team, liebe Citavi-Nutzer,

Derzeit verhält sich Citavi by design so, dass beim Einfügen von Text aus der Zwischenablage die Formatierung entfernt wird, sobald bestimmte Formatierungen in diesem Text enthalten sind.

M.E. ist das "Feature" schlechtes Design und schlecht implementiert. Es ist schlechtes Design, da es paternalistisch und extern inkonsistent ist und zu unbeabsichtigtem Datenverlust führen kann. Es ist schlecht implementiert, da es sich intern inkonsistent verhält. (Anmerkung: ich meine das mit dem "schlecht" nicht böse, mir fällt aber auch kein besseres Wort ein).

Es ist paternalistisch, weil es sich anmaßt, Entscheidungen darüber zu treffen, dass Formatierungen standardmäßig unerwünscht sind, und welche Klassen von Formatierungen unerwüscht sind. (Zeilenabstand: böse, Unterstreichung: böse, Kursivierung: gut). (Wenn es interessiert: ich nutze Unterstreichungen dazu, um einfach festzuhalten, ob die Kursivierung durch mich (unterstrichen) oder den Originalautor vorgenommen wurde, was dann relevant wird, wenn ein Zitat sowohl Originalkursivierungen als auch durch mich vorgenommene Kursivierungen enthält, was im englisch-sprachig juristischen Bereich nicht unselten ist, weil Fallnamen immer kursiviert werden, ein Zitat also vielmals Originalkursivierungen enthält)

Es ist extern inkonsistent, da kein anderes gängiges Textverarbeitungsprogramm sich so verhält, dass standardmäßig die Formatierung entfernt wird. Das Entfernen von Formatierungen verlangt im Regelfall das Eingreifen vom Benutzer. Es wäre schön, wenn Citavi sich hier an dem normalen Verhalten von Textverarbeitungsprogrammen, insbesondere Word, orientieren würde, um dem Nutzer die Computernutzung konsistent zu erlauben.

Es sollte weiterhin ein Designprinzip sein, dass standardmäßig kein Datenverlust geschieht, sondern der Nutzer aktiv werden muss, um Daten zu entfernen. Fettschreibung, Unterstreichung, etc. sind ein Datum. Sie drücken etwas aus im Text, und sind eine Information, welche wie andere Informationen per se erhaltungswürdig sein sollten. Es ist gut, dass für die Klasse von Nutzern, welche aus unerfindlichen Gründen keinen Clipboard-Manager nutzen, eine Option besteht, ohne Formatierung einzufügen. Aber das sollte die schwerer zu erreichbare Option sein, denn Information später löschen kann ich immer noch machen. Ist Information einmal weg, kann ich sie nicht mehr ohne weiteres herstellen. In dubio pro datum.

Das Verhalten ist auch aus Nutzersicht (sprich: meiner) Sicht schlecht implementiert.

Zunächst einmal fällt auf, dass nur bestimmte Formatierungen entfernt werden. Das ist mit dem Paternalismus-Argument eng verwandt, mag aber auch eine interne Inkonsistenz sein. Warum werden Kursivierungen erlaubt, Unterstreichungen aber nicht? Welcher Nutzer realisiert diesen verschiedenen Umgang und denkt sich "Ja, das ist eine intuitive Unterscheidung. Genauso hätte ich das erwartet."

Was auch intern inkonsistent ist: wenn schon Zeilenabstände entfernt werden, würde ich erwarten, dass beim Einfügen die Standard-Einstellungen übernommen werden. Wenn ich etwa beim Wissenselement 6 Punkt Zeilenabstand danach eingestellt habe, und dann zwei Absätze plain text einfüge, wäre erwartetes Verhalten, dass im eingefügten Text 6 Punkt Zeilenabstand danach vorhanden sind. Genau das passiert ja schließlich, wenn ich den Text selber tippe, und – wieder zurück zu den externen Gesichtpunkten – das würde etwa auch in Word passieren, wenn ich den Absatzeinstand auf 6 Punkt einstelle, und dann plain text einfüge. Nicht aber in Citavi. Hier erhält der eingefügte Text dann auf einmal 0 Punkt Abstand. Einfügen ohne Formatierung heißt eigentlich in der gängigen Computernutzung "übernehme Formatierung des Zieltextes für den eingefügten Text", nicht "scher dich einen feuchten Kehricht um die Formatierung des Zieltextes und setze deine Vorstellung von normalem Schriftbild um".

Was weiterhin intern inkonsistent ist, und es ist auch ein wenig ermüdend, die verschiedenen Permutationen durchzugehen. Nicht nur maßt sich Citavi paternalistisch an zu entscheiden, welche Formatierungen Kunst sind (Kursivierung), welche wegkönnen (Unterstreichung). Nein, bizarrerweise ist es dann so, dass wenn ich etwas einfüge, was unterstrichen und kursiv ist, nicht nur die Unterstreichung wegkommt. Nein, in dem Fall wird auch die Kursivierung gelöscht. Zumindest, und hier wird es denn vollends bizarr, passiert das, wenn der Text im Wissenselement ist, und nach dem Unterstreichen und Kursivieren das Wissenselement geschlossen wird, ich es dann wieder öffne, und dann Text innerhalb des Wissenselement per Copy and Paste hin- und herschiebe. Es passiert nicht, wenn ich zwischen Wissenselementen kopiere, oder wenn ich das Wissenselement nach der Unterstreichung nicht schließe. In den beiden letzten Fällen wird nur die Unterstreichung, nicht die Kursivierung gelöscht. Wenn ich also den selben Text einmal im Ausgangswissenselement, einmal in einem anderen Element kopiere, sieht er verschieden aus. Das ganze ist wirklich für Nutzer ein nicht durchschaubares Wirrwarr von verschiedenen Verhalten, bloß damit Citavi vermeintlich “überflüssige” Formatierungen in bestimmten Fällen automatisch entfernt.

Mein Alternativvorschlag: Citavi behält die vollständige Formatierung bei Copy-und-Paste bei. Der Nutzer darf selber entscheiden, welche Formatierung er wichtig findet, die ganzen internen Inkonsistenzen werden vermieden.

Beste Grüße

Jan Jakob

Kommentare (9)

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PS: Es spricht wahrscheinlich auch nicht für die Intuitivität dieses Features, dass der Support zunächst davon ausgeht, dass es ein Bug ist. Das spricht für meine These, dass dieses Feature sich komplett entgegen dem von Nutzer erwarteten Verhalten verhält, und nicht auf eine gute Art und Weise.

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Noch etwas: Die Beschreibung hier ist falsch. Es wird ja gerade nicht ohne Formatierung eingefügt, sondern mit "guter" Formatierung, aber ohne "böse Formatierung" (Zumindest meistens, manchmal, in für mich absolut nicht nachvollziehbaren Fällen wird wirklich ganz ohne Formatierung eingefügt). Des weiteren wird die voreingestellte Formatierung (Zeilenabstand) einfach zerstört.

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Könnte dieses Chaos, dass ich so nachvollziehen kann, davon kommen, dass Citavi nicht erkennt wie, und nicht damit umgehen kann, dass Formatierungen technisch auf verschiedene Art in Ursprungstexten realisiert sein können - Stichwort: Inline-MarkUp vs. Markup über Stylesheet vs. eingebettete Schriftarten vs. verlinkte Schriftarten vs. Grafik mit (Plain)Texterkennung?

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P.S.: Nur um in eine andere, bekannte Kerbe zu schlagen - wenn ich per Copy & Paste einen vorhandenen "MUSTERMANN" durch einen neuen "Mustermann" ersetzen will verhält sich Citavi ganz genauso "paternalistisch"... ;-)

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Ich will da nicht groß drauf weitereingehen. Ich bin auch nicht so der Freund davon, Dinge in Threads miteinander zu vermischen, welche nichts mit einander zu tun haben. Der wesentliche Unterschied ist, dass das daran liegt, dass Mustermann gegen MUSTERMANN abgeglichen wird, und Citavi keine Einträge zulässt, welche sich nur in der Groß-/Kleinschreibung unterscheiden. Vielleicht kann man diesen Schutz der Listen auch als paternalistisch auffassen, aber nunja, dann muss das halt geändert haben wollen. Halte ich ja niemanden von ab. Im Übrigen werde ich die E-Mail-Benachrichtigungen hier jetzt genauso abbestellen, wie bei anderen Threads, in denen es um die Listeneinträge geht.

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...nicht ganz so spaßbefreit bitte...zwegan dem Smiley wärs gewesen...ich weiß, ich bin wahrscheinlich kindisch...

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Ich glaube nicht, weil es ja darum geht, was aus der Zwischenablage kommt, und das ist immer ein RichText-Objekt. Citavi weiß gar nicht, wo die Ursprungsformatierung herkommt und wie sie zustande kommt.

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Hallo, Jan Jakob,

ich würde hier ganz gern noch etwas intensiver testen, um das Bugticket so informativ wie möglich zu machen. Meine erste Vermutung geht nämlich in die Richtung, dass das, was kopiert wird, nicht unbedingt im Ausgangsformat über die Zwischenablage rüberkommt. Oder anders: Text liegt in der Zwischenablage in diversen Formaten vor. Die Zielanwendung pickt sich eins davon raus, mit dem sie glaubt, umgehen zu können. Sie können sich das ganze mit dem etwas angestaubten, aber nichtsdestoweniger informativen Tool clipview.exe einmal anschauen.

Haben Sie evtl. einige Beispielquellen für mich, bei denen die Formatierung ganz und bei denen sie teilweise verloren geht?

Viele Grüße

Sebastian

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Lieber Sebastian,

ah, interessant, offenbar lag ich mit "es geht darum, was aus der Zwischenablage kommt, und das ist immer ein RichText-Objekt." falsch.

Aber ich glaube, ich werde missverstanden. Das "teilweise verlieren" ist ja wohl Absicht, kein Bug, und mein Ziel ist es gerade, dass dieses Verhalten geändert wird, weil ich es verwirrend finde. Dass dabei Citavi auch teilweise, unter den von mir beschriebenen Bedingungen die Formatierung ganz verliert, wenn per Strg+V eingefügt wird, mag in der Tat ein Bug sein. Das passiert jedenfalls unter den von mir beschriebenen Bedingungen, und es passiert, wie sich aus den Bedingungen ergibt, dann wenn innerhalb Citavis kopiert und eingefügt wird. Von daher wäre das auch ein Fehler Citavis, denn andere Programme sind gar nicht involviert.

Beste Grüße

Jan Jakob